T A R O T
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Erklärungsmodelle
Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung Relevanz für die Beantwortung einer Frage haben kann. Die eine ist esoterisch-spirituell, die andere psychologisch.
- Die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung stützt sich auf den von C.G. Jung geprägten Begriff der Synchronizität und versteht diesen als das gleichzeitige oder zeitnahe Auftreten zweier Ereignisse, die in einem inhaltlich sinnvollen, aber nicht kausalen Zusammenhang stehen. Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird, und Ereignissen im Leben des Fragenden.
- Die psychologische Erklärung sieht in einer Tarotlegung ein projektives bzw. assoziatives Verfahren; einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Das Tarotbild wird quasi als ein visuelles Gleichnis zur eigenen Situation erlebt. Nach dieser Erklärung zeigen die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen, die beim Anblick eine subtile emotionale Reaktion hervorrufen, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Befindlichkeit korrespondiert. In diesem Licht kann der Tarot Werkzeug zur Selbsterkenntnis, zum Aufspüren un- oder vorbewusster Gefühle dienen, er wird zum Spiegel des eigenen Selbst. Solchermaßen entmystifiziert wird das Tarot von einigen Psychologen auch im therapeutischen Kontext genutzt.
Damit dieses Thema nicht allzu theoretisch bleibt, möchte ich hier zwei Beispiele für eine Kartensitzung anführen:
Ein 40-jähriger Mann bittet mich, ihm die Karten zu legen. Er hat keine bestimmte Frage, er will „gerade mal so wissen“, was die Karten ihm sagen. Er mischt die Karten, und ich lege sie vor ihm aus. Er zieht folgende sieben Karten.
Ich wähle den Tarot-Zauberspruch:
- Karte: Mein Ich
- Karte: Was mich deckt
- Karte: Was mich schreckt
- Karte: Was mich treibt
- Karte: Was mir bleibt
- Karte: Was mir die Zukunft bringt
- Karte: Was mich zu Boden zwingt.

- Was dich treibt, ist die Suche nach Glück, Abenteuer und Erfolg (Stab-6), und was dir bleibt, sind Angriffe und Neid (Stab-7). Das kostet Kraft, auch wenn du der Herausforderung gewachsen bist. Diese Karte (Kelch-2) zwingt dich zu Boden. Das heißt, dass eine Begegnung, eine Beziehung, eine Frau, dich in die Knie zwingen will oder wird. Es sieht so aus, als wolltest du mehr Freiheit, als dir andere zu geben bereit sind. Aber du bist auch selbst nicht ganz sicher, wie du leben möchtest (Schwert-2).
Meine Vermutung wird von ihm bestätigt. Nach einer fünfzehnjährigen Beziehung möchte er jetzt frei und ungebunden leben, nehmen, was kommt.
Ein weiteres Beispiel:
Eine 25-jährige Frau ist einem Mann begegnet und möchte mehr über die Beziehung und ihre Gefühle erfahren.Sie legt das kleine Kreuz:
- Karte: „Was ich bin“
- Karte: „Was mich herausfordert, mich anzieht“
- Karte: „Wie ich auf die Herausforderung reagiere“
- Karte: „Was mich befreit und erlöst“

Die junge Frau erzählt, dass sie durch die Begegnung sehr verunsichert ist, dass sie innerlich aufgewühlt ist, weinen könnte und lachen zugleich.
Sie zieht „den Wagen“
Eine gute Karte für einen Neubeginn.
